Was kaum jemand wusste: die Gebrüder Grimm hatten eine Schwester: Charlotte „Lotte“ Grimm. Die in der Märchenforschung bis dato unbekannte Frau stand Zeit ihres Lebens im Schatten ihrer berühmteren Brüder Jacob und Wilhelm (Gebrüder Grimm).
So beklagt sich Charlotte in ihren Aufzeichnungen darüber, dass ihre Brüder die von ihr mühsam gesammelten Märchen “in erschrecklicher Weyse verstümmelt oder gänßlich verbannet haben“.
Dem Charlotte-Grimm-Institut, Weimar ist es, nicht zuletzt durch die großzügige Unterstützung der Charlotte-Grimm-Sozietät in Haldersleben, gelungen, in den Besitz aufsehenerrregender Originaldokumente zu gelangen. Besonders stolz sind wir auf das aus dem Nachlass der Charlotte Grimm stammende und in vielerlei Hinsicht aufschlussreiche Tagebuch sowie viele weitere kulturhistorisch wertvolle Aufzeichnungen aus den Jahren 1809 bis 1832.
Vor gar nicht all zu langer Zeit lebten an einem fernen Ort drei wunderschöne Schwestern namens Hillu, Hella und Holla in einer einsamen Hütte im tiefen, finsteren Wald. Den Unbilden des Wetters ausgesetzt und nur mit einem kleinen Gärtchen ausgestattet, fristeten sie ein gar kärgliches Dasein.
So schön anzuschauen die Schwestern auch waren, verband sie doch ein grausiges Schicksal: als Kinder waren die drei Mädchen von ihrem Vater, dem mächtigen König des Landes, verstoßen und im Wald ausgesetzt worden.
Doch trotz aller täglichen Mühsal waren die Königstöchter stets frohen Mutes und erfreuten sich an ihrem bescheidenen Leben. Und wenn es Sommer war, begaben sich die drei Waldfeen, wie sie sich spielerisch nannten, nach ihrem Tagewerk auf die angrenzende Waldlichtung, um ein Bad im Weiher zu nehmen. Nach der nassen Erfrischung tollten sie meist noch einige Zeit unbeschwert und nur mit ihrem entzückenden Kichern bekleidet über die Wiese, sangen gar liebliche Lieder und pflückten Blumen.